Länderwechsel

Eine Ausstellungsreihe des BBK Sachsen-Anhalt

Blick nach Westen

Plakat Länderwechsel 2011. Gestaltung: Lutz Grumbach

Ausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e. V. in der Reihe LÄNDERWECHSEL

3. Oktober – 12. November 2011

Projektgalerie VORORTOST Rosa-Luxemburg-Straße 19/21 und Ausstellungsraum im Innenhof Rosa-Luxemburg-Straße 23, 04103 Leipzig
www.bbkl.org

Vernissage: 1. Oktober 2011, 11 Uhr

Öffnungszeiten:  Mittwoch – Samstag 14 – 18 Uhr
Sonderöffnungszeiten während der GRASSIMESSE vom 28. bis 30. Oktober:
Freitag und Samstag 10 – 19 Uhr, Sonntag 10 – 18 Uhr

Rahmenprogramm:

Podiumsgespräch zum Thema „Kunst oder noch Design? Design oder schon Kunst?“
Mit Dr. Eva Maria Hoyer, Direktorin des GRASSI Museums für Angewandte Kunst in Leipzig (angefragt) und Dr. Renate Luckner-Bien, Kuratorin der Ausstellung
19. Oktober, 19 Uhr

Führungen durch die Ausstellung
8. Oktober, 22. Oktober, 12. November, jeweils 15 Uhr

 

„Blick nach Westen“ ist die zweite Ausgabe der vom BBK Sachsen-Anhalt initiierten Ausstellungsreihe LÄNDERWECHSEL und antwortet auf die gleichnamige Ausstellung, in deren Rahmen Leipziger Künstlerinnen und Künstler im Sommer des vergangenen Jahres ihre Arbeiten in Merseburg zeigen konnten.

Wer über die Grenzen von Leipzig hinaus den Blick nach Westen wendet, stößt auf die der Stadt nächstgelegene Kunstmetropole: Halle an der Saale. Die Entfernung zwischen „Europas heimlicher Musikhauptstadt“ und „Sachsen-Anhalts heimlicher Kulturhauptstadt“ beträgt kaum vierzig Kilometer. Trotzdem oder vielleicht eben deshalb: Beide Städte besitzen profilierte Kunstszenen mir überregionaler Ausstrahlung. Beide sind geprägt von den ortsansässigen Kunsthochschulen: Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, eine der ältesten Kunsthochschulen Deutschlands, ist in der Kunstwelt – die häufig vergisst, dass es hier großartige Grafik- und Fotografieausbildung gab und gibt – berühmt für die Malerei der „alten“ Leipziger Schule und der Neuen Leipziger Schule. Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, deren Geschichte sich mit der Reform der Kunstgewerbeschulen um 1900 verbindet, ist erfolgreich mit ihrem die Transdisziplinarität fördernden Ausbildungsprogramm, dessen Basis ein außergewöhnlich breites Spektrum bildender und angewandter Kunst sowie unterschiedlicher Designdisziplinen ist.

Die von den Absolventinnen und Absolventen dieser Schule geprägte Szene in Sachsen-Anhalt ist bestimmt vom andauernden Diskurs zwischen den „nützlichen“ und den „freien“ Künsten. Künstler und Designer nutzen seit jeher vergleichbare gestalterische Mittel bei der Produktion von Gegenständen ästhetischer Erfahrung. Der gegenwärtig zu beobachtende fortschreitende Prozess der Vermischung und Durchdringung aller Kunstformen ist gekennzeichnet von der aktuellen Selbstdarstellung des Designs als Kunst und der Entäußerung der Kunst in Gebrauchsobjekten. In diesem Prozess vollzieht sich auch eine neue Form der Assimilierung der angewandten, handwerklichen, materialorientierten Disziplinen, vor allem dann, wenn sie auf die Verwendung eines bestimmten Materialtyps und nicht – wie zum Beispiel die per definitionem den Angewandten Künsten zuzurechnende Schmuckkunst – auf einen Gegenstandbereich fokussiert sind.

Die Ausstellung zeigt, dass in der künstlerischen Praxis Arbeiten aus kunsthandwerklich konnotierten Materialien, wie Keramik, Textil oder Metall, mit den Produkten handwerklich erzeugter Gebrauchkunst oft wenig gemein haben, weil sie als Bild, Skulptur oder Installation wahrgenommen werden wollen. Ihre „Angewandtheit“ erschöpft sich vielfach im Zitat, in der Behandlung des Materials und gelegentlich als mehrdeutige Behauptung eines nicht einlösbaren Gebrauchsversprechens. Häufig ist ihre „Angewandtheit“ auch nur dem ausbildungs- oder/und werkbiografischen Hintergrund seiner Autorin / seines Autors geschuldet. Die Ausstellung zeigt aber auch, dass der Anspruch eines handwerklich gefertigten Stücks, als Kunstwerk Geltung zu erlangen, sich mit einer Zweckbestimmung als Gefäß oder Schmuck durchaus verträgt.